Too big to fail?
von Egon W. Kreutzer

Auszug aus „Blog von Mattin" - http://hahn.1on.de/

Die verhängnisvolle Fehleinschätzung der Rolle der Banken.

Irlands Banken sind konkursreif, heißt es.

Deshalb wird Irland jetzt unter vermutlich haarsträubenden Auflagen Geld und Garantien von der EU erhalten, um damit seine Banken zu retten, während es selbst von dem damit in Kauf genommenen Spardiktat zur Konkursreife gebracht wird.

Natürlich sind Banken wichtig.

Die wichtigste und unverzichtbarste Funktion der Banken ist die Bereitstellung eines Systems des schnellen und sicheren Zahlungsverkehrs, das nicht nur Überweisungen von Konto zu Konto und Abhebungen am Kassenschalter oder Geldautomaten ermöglicht, sondern zum Beispiele auch die Einlösung von Schecks problemlos ermöglicht. Der ersatzlose Wegfall dieses Systems, ja auch nur sein kurzfristiger Ausfall, würde die Welt vor erhebliche Probleme stellen.

Eine weitere, wichtige und unverzichtbare Funktion der Banken ist die Bereitstellung von Liquidität durch Kreditvergabe. Ob es sich dabei um die kurzfristige Inanspruchnahme eines Dispositionskredits oder um die Vereinbarung eines mittelfristigen Ratenkredits handelt, ob Investitionskredite für die Wirtschaft oder Hypothekenkredite für den Hausbau vergeben werden, in jedem Fall sorgt die Bank dafür, dass die benötigte Liquidität - bei hinreichender Bonität des Schuldners - schnell und unkompliziert bereitgestellt wird. Stünde eine solche Finanzierungsmöglichkeit nicht zur Verfügung, müsste die Welt über kurz oder lang in die Depression abgleiten.

Die dritte, wichtige, aber verzichtbare Funktion der Banken ist die Hereinnahme und Verzinsung von Einlagen. Wichtig ist diese Funktion für die Anleger, weil sie es ihnen ermöglicht, Ersparnisse in Form immaterieller Kontoinformationen verlustsicher zu verwahren. Wichtig ist diese Funktion für die Banken, weil der bankenkontrollierte Liquiditätsentzug durch Sparen direkt zur Ausweitung des Kreditgeschäfts und der Zinserträge führt. Verzichtbar ist diese Funktion, weil die Hereinnahme von Einlagen an sich - sieht man von willkürlich gesetzten und beliebig änderbaren gesetzlichen Bestimmungen zur Reservehaltung ab - keinen Einfluss auf die Fähigkeit zur Liquiditätsbereitstellung hat.

Dass Banken überdies in vielerlei Form als Finanzdienstleister und Vermögensverwalter, als Anlageberater und Depotverwalter, als Broker und Dealer tätig sind, ist weder wichtig noch unverzichtbar.

Woher kommt nun die irrationale Angst, der Bankrott einer größeren Bank könne ganze Volkswirtschaften in den Ruin treiben, ja die Weltwirtschaft ernsthaft gefährden?

Was wäre als reale Folge großer Bankeninsolvenzen wirklich zu befürchten?

Die Antwort ist viel einfacher als uns suggeriert wird.

Der zeitnahe Zusammenbruch - auch mehrerer - großer Banken ist ein leicht zu überwindendes Problem. Die Fortexistenz bestehender Institute ist volkswirtschaftlich von keinerlei Relevanz. Keine Bank ist zu groß für eine Insolvenz. Die Furcht davor ist irrational.

Der Nachvollzug der Begründung ist auch nicht schwierig. Kehren wir kurz zurück zu den eingangs beschriebenen Funktionen der Banken. Welche Gefahren entstehen durch den Ausfall eines oder mehrerer großer Institute - und wie könnte diesen Gefahren begegnet werden?

Die Funktion der Bank als Finanzdienstleister

Das Eigentum an Wertpapieren aller Art, die von der Bank für ihre Kunden in Depots verwahrt werden, ist durch die Insolvenz einer Bank nicht betroffen. Selbst wenn die Bank Aktien aus den Depots ihrer Kunden an einen Hedge-Fonds verliehen hätte, ginge der Anspruch auf Rückgabe von der insolventen Bank auf die Depotkunden über.

Laufende (noch nicht abgeschlossene) Kontrakte über den An- und Verkauf von Wertpapieren und Derivaten aller Art, die von der Bank nur vermittelt werden, sind von der Insolvenz der Bank ebenfalls nicht betroffen. Es sei denn, die Bank sei nicht nur als Vermittler sondern - offen oder verdeckt - auch als erfüllungspflichtiger Vertragspartner im Spiel.

Fonds, die von der Bank gemanagt werden, könnten, je nach Vertragsgestaltung, ganz oder teilweise als Vermögen der Bank angesehen werden und der Insolvenzmasse zugeschlagen werden. Anleger hätten insoweit das Nachsehen. Institutionelle Großanleger, wie Pensionskassen oder Versicherungsgesellschaften, investieren jedoch selten in derartige Fonds, sie managen ihre Assets lieber und kostengünstiger selbst.

Die Insolvenz einer Bank würde also womöglich dazu führen, dass für kurze Zeit eine Klärung stattzufinden hätte, was als von der Bank verwahrtes Kundenvermögen anzusehen ist und was der Insolvenzmasse zugeschlagen werden muss, doch dürfte dies bei einer einigermaßen korrekten Geschäftsführung der Bank keinerlei gravierende Probleme bereiten.

Für den Fortgang der wirtschaftlichen Tätigkeiten entstünden daraus volkswirtschaftsweit keinerlei Behinderungen.

Die Funktion der Bank als Einlagensammler

Die Einlage bei einer Bank ist faktisch eine Kreditgewährung an die Bank. Verspielt die Bank den ihr gewährten Kredit, verliert der Gläubiger im Insolvenzfall seinen Anspruch.

Jedoch führt selbst der vollständige Verlust der Einlagen von Großgläubigern - und bewege er sich beim insolventen Institut auch im zwei oder dreistelligen Milliardenbereich - zu keinen verheerenden Auswirkungen für die Volks- oder gar die Weltwirtschaft.


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Abgerufen am: 22-02-2012